Storchenfreunde Oettingen / Nördlingen
© Heidi Källner

Wissen rund um den Weißstorch

Fragen &
Antworten

Wie lebt ein Storch, was braucht er – und wann braucht er unsere Hilfe? Hier sammeln wir Antworten auf die Fragen, die uns besonders häufig begegnen.

Fragen entdecken

Eine erste Wissenssammlung, die wir gemeinsam weiterentwickeln.

01

Nahrung & Körper

Was ein Storch zum Leben braucht

01Was fressen Störche?

Weißstörche sind anpassungsfähige Allesfresser, ihre Nahrung ist jedoch überwiegend tierisch. Auf Wiesen und in flachem Wasser suchen sie vor allem Regenwürmer, größere Insekten und deren Larven, Mäuse, Frösche, Molche, kleine Fische, Eidechsen und gelegentlich Schlangen oder Aas. Sie nehmen das, was in ihrem Lebensraum gerade häufig und gut erreichbar ist.

02Wie viel Futter brauchen sie?

Ein ausgewachsener Weißstorch benötigt als groben Richtwert ungefähr 500 Gramm Nahrung pro Tag. Der tatsächliche Bedarf schwankt: Bei Kälte, anstrengenden Flügen und während der Jungenaufzucht kann er höher sein. Deshalb sind ausgedehnte, nahrungsreiche Wiesen und Feuchtflächen rund um das Nest so wichtig.

03Wie viel Futter müssen die Eltern ihren Kindern ins Nest bringen?

Ein Elternpaar mit drei Jungstörchen sucht während der Aufzucht ungefähr vier Kilogramm Nahrung am Tag. In der stärksten Wachstumsphase kann ein einzelner Jungstorch zeitweise bis zu etwa 1,2 Kilogramm täglich benötigen. Die Eltern transportieren das Futter im Magen und würgen es im Nest für die Jungen wieder aus; bei großer Hitze bringen sie auch Wasser im Kehlsack mit.

04Wie genau werden die Jungen mit Wasser versorgt?

An heißen und trockenen Tagen bringen die Eltern Wasser in ihrem Kehlsack zum Nest. Dort senken sie den Schnabel zu den Jungen und geben das Wasser für sie ab. Einen Teil ihres Flüssigkeitsbedarfs decken die Jungstörche außerdem über die feuchte tierische Nahrung, die von den Eltern im Nest ausgewürgt wird.

05Wie schwer werden Störche?

Ausgewachsene Weißstörche wiegen meist zwischen drei und vier Kilogramm. Männchen sind im Durchschnitt etwas größer und schwerer als Weibchen, äußerlich sind beide Geschlechter aber nur schwer voneinander zu unterscheiden.

06Wie erkenne ich, ob es ein Jungstorch oder ein Altstorch ist?

Am besten erkennt man das Alter an Schnabel und Beinen. Bei jungen Weißstörchen ist der Schnabel zunächst kürzer und dunkelgrau bis fast schwarz, auch die Beine wirken noch grau, bräunlich oder blassrosa. Im Laufe des Sommers färben sich Schnabel und Beine zunehmend orange bis rot. Altstörche haben dagegen gewöhnlich einen langen, kräftig roten Schnabel und leuchtend rote Beine. Bei Jungstörchen können außerdem die schwarzen Flügelfedern etwas bräunlicher und das gesamte Gefieder matter wirken. Je älter der Jungstorch wird, desto schwieriger ist die Unterscheidung aus größerer Entfernung.

07Welche Flügelspannweite können sie haben?

Die Flügelspannweite eines Weißstorches liegt ungefähr zwischen 1,80 und 2,18 Metern. Mit seinen breiten Flügeln kann er auf warmen Aufwinden kreisen und lange Strecken energiesparend segeln.

08Wie schwer können Nester werden?

Ein Storchenpaar baut sein Nest über viele Jahre immer weiter aus. Alte Nester können maximal etwa eine Tonne wiegen. Sie können rund zwei Meter breit und mehrere Meter hoch werden – deshalb müssen Untergrund und Nisthilfe regelmäßig fachlich kontrolliert werden.

09Wie schaffen es Störche, dass ihre Nester so extrem stabil werden?

Störche verhaken kräftige Äste und Zweige zu einem breiten Unterbau und ordnen das Material immer wieder neu. Die Nestmulde polstern sie mit trockenem Gras, Blättern und Moos aus. Durch das ständige Nachbessern und Festtreten verdichten sich die Schichten über viele Jahre. Stabil bleibt ein solches Nest aber nur, wenn auch Dach, Baum oder Nisthilfe das große Gewicht sicher tragen können.

10Müssen die Nester zum Teil auch einmal abgetragen werden, wenn sie zu schwer werden?

Ja. Wird ein altes Nest zu schwer, ist seine Unterlage beschädigt oder kann Regenwasser nicht mehr gut ablaufen, kann eine fachgerechte Teilabtragung oder Erneuerung nötig sein. Das geschieht möglichst außerhalb der Brutzeit und nur nach Abstimmung mit Storchenbetreuung, Eigentümer und zuständiger Naturschutzbehörde. Ein geschütztes Storchennest darf niemals eigenmächtig verändert oder entfernt werden.

02

Sprache & Verhalten

Klappern, Hören und Zusammenleben

01Was bedeutet das Klappern?

Das Schnabelklappern ist die auffälligste Sprache der Weißstörche. Partner begrüßen sich damit am Nest und stärken ihre Bindung; zugleich kann das Klappern fremde Störche warnen und der Verteidigung des Nestes dienen. Je nach Situation gehören typische Kopf- und Halsbewegungen oder ein Fauchen dazu.

02Können Störche hören?

Ja, Störche können hören. Obwohl sie selbst kaum eine Stimme besitzen und vor allem mit dem Schnabel klappern, nehmen sie Geräusche aus ihrer Umgebung wahr. Für Nahrungssuche, Orientierung und das Erkennen von Gefahren spielt ihr sehr gutes Sehvermögen jedoch eine besonders große Rolle.

03Warum bevorzugen Störche ihre Nestplätze so weit oben?

Ein hoher Standort bietet Überblick und Schutz vor vielen Störungen und Bodenfeinden. Noch wichtiger ist eine freie Einflugschneise: Die großen Vögel brauchen Platz, um sicher an- und abzufliegen. Deshalb wählen sie häufig Dächer, Schornsteine, Masten oder hohe, frei stehende Bäume.

04Sind Störche ihren Partnern treu?

Weißstörche führen gewöhnlich eine monogame Saisonehe. Besonders treu sind sie allerdings ihrem Nestplatz. Treffen beide Partner dort nach dem Winter wieder ein, brüten sie oft erneut zusammen; bleibt einer aus oder kommt sehr spät zurück, kann sich der andere mit einem neuen Partner verbinden.

05Kann ein Storch einen Menschen verletzen?

Ein frei lebender Storch greift Menschen normalerweise nicht an. Ein verletzter, verängstigter oder festgehaltener Vogel kann sich mit seinem langen, kräftigen Schnabel jedoch heftig verteidigen und besonders Augen und Hände gefährden. Deshalb immer Abstand halten und eine Bergung erfahrenen Helferinnen und Helfern überlassen.

03

Brut & Jahreslauf

Vom Ei bis zum ersten großen Flug

01In welchen Monaten sind die meisten Störche in Deutschland?

Die meisten Weißstörche sind ungefähr von März bis August in ihren deutschen Brutgebieten. Erste Rückkehrer können schon im Februar eintreffen, weitere folgen bis in den April. Die Jungstörche ziehen häufig ab Ende Juli oder im August los, viele Altstörche folgen bis Anfang September. Ein kleiner, wachsender Teil überwintert inzwischen auch in Deutschland.

02Kommen Jungstörche nach ihrer ersten Reise in den Süden im nächsten Jahr gleich wieder zurück?

Meistens nicht. Viele Jungstörche verbringen ihre ersten zwei oder drei Lebensjahre im Süden oder ziehen als noch nicht brütende Vögel weit umher. Erst mit etwa drei bis vier Jahren werden sie geschlechtsreif und kehren häufiger in die Nähe ihrer Herkunftsregion zurück, um einen eigenen Nestplatz zu suchen. Einzelne jüngere Störche können aber schon früher in Mitteleuropa auftauchen.

03Wie viele Eier legen Störche?

Ein Gelege besteht meistens aus drei bis fünf weißen Eiern. Kleinere und größere Gelege kommen vor; beschrieben sind etwa ein bis sieben Eier. Die Eier werden gewöhnlich im Abstand von ungefähr zwei Tagen gelegt.

04Wie lange brüten sie?

Bis zum Schlupf vergehen ungefähr 32 bis 34 Tage. Beide Eltern wechseln sich beim Brüten ab. Da das Brüten bereits beginnt, bevor das Gelege vollständig ist, schlüpfen die Küken meist nicht alle am selben Tag.

05Wie lange dauert es, bis Jungstörche fliegen können?

Jungstörche werden nach etwa 55 bis 60 Tagen, also ungefähr nach acht bis neun Wochen, flugfähig. Ihre ersten Ausflüge sind noch unsicher und führen oft nur auf ein benachbartes Dach oder eine nahe Wiese. Danach werden sie noch einige Zeit von den Eltern gefüttert und geführt; mit ungefähr drei Monaten sind sie weitgehend selbstständig.

06Ist es gefährlich für Störche, wenn es ein paar Tage hintereinander regnet?

Einzelne Regentage verkraften Störche normalerweise gut. Gefährlich kann jedoch kalter, starker Dauerregen werden – besonders für Jungstörche im Alter von etwa drei bis vier Wochen. Sie sind dann oft schon zu groß, um vollständig unter den Eltern Schutz zu finden, besitzen aber noch kein geschlossenes, wasserabweisendes Gefieder und können auskühlen. Zugleich finden die nassen Altstörche weniger Nahrung und fliegen seltener zur Futtersuche aus.

07Wann werden Störche beringt – und warum eigentlich?

Jungstörche werden meist im Alter von etwa drei bis sechs Wochen beringt, bevor sie bei einer Annäherung aus dem Nest flüchten könnten. Das dürfen nur ausgebildete und zugelassene Beringer tun. Jeder Ring trägt eine eindeutige Kennung: Ablesungen und Wiederfunde zeigen Herkunft, Alter, Zugwege, Aufenthaltsorte, Überlebensraten und spätere Brutplätze – wertvolle Daten für Forschung und Schutz.

04

Gefahren & Hilfe

Erkennen, schützen und richtig handeln

01Welches sind die größten Gefahren für Störche?

Zu den häufigsten unnatürlichen Todesursachen gehören Stromschläge an ungesicherten Masten und Zusammenstöße mit Leitungen oder Verkehr. Hinzu kommen der Verlust von Feuchtwiesen und Rastplätzen, weniger Nahrung durch intensive Landwirtschaft und Pestizide, Müll und Kunststoff im Nest sowie Starkregen, lange Trockenheit und Hitze. Auf dem Zug drohen zusätzlich illegale Abschüsse, Vergiftungen und fehlende Rastgebiete.

02Werden Strommasten extra gesichert, wenn dort ein Nest entsteht?

Wenn ein Nest auf einem Strommast entsteht, prüfen Netzbetreiber und Naturschutzfachleute den Standort. Besteht Gefahr für die Störche oder das Stromnetz, sind je nach Mast unterschiedliche Maßnahmen möglich: stromführende Teile werden gesichert, eine sichere Nestplattform wird montiert, ein Ersatzstandort geschaffen oder der ungeeignete Platz wird außerhalb der Brutzeit unattraktiv gemacht. Solche Arbeiten dürfen ausschließlich der Netzbetreiber und beauftragte Fachkräfte in Abstimmung mit der Naturschutzbehörde ausführen.

03Wann merke ich, dass ein Storch Hilfe braucht?

Eindeutige Warnzeichen sind Blutungen, ein sichtbar gebrochener oder hängender Flügel, Verheddern in Schnüren, Stromunfälle, starke Teilnahmslosigkeit oder wenn der Vogel nicht stehen und nicht wegfliegen kann. Ein gesunder Jungstorch auf einer Wiese braucht nach seinem ersten Ausflug dagegen nicht automatisch Hilfe. Bitte Abstand halten, Hunde fernhalten, den Fundort genau notieren und sofort örtliche Storchenbetreuer oder die Polizei verständigen. Sie können die 112 anrufen, allerdings ist der direkte Kontakt mit der Polizei Nördlingen besser: 09081 29560. Weitere Kontakte finden Sie hier in der Rubrik „Kontakte“ auf der Website.

04Steht der Storch in Deutschland unter Schutz?

Ja. Der Weißstorch ist eine besonders geschützte europäische Vogelart und steht im Anhang I der EU-Vogelschutzrichtlinie. Er darf nicht gefangen, verletzt oder getötet werden; auch Eier, Jungvögel, Nester und regelmäßig genutzte Fortpflanzungsstätten sind geschützt. Arbeiten, Umsetzungen oder das Entfernen eines Nestes dürfen nur in Abstimmung mit der zuständigen Naturschutzbehörde und – falls nötig – mit einer Ausnahmegenehmigung erfolgen.

05

Zug & Winter

Weite Wege und neue Winterquartiere

01Wohin fliegen Störche im Winter?

Das hängt von Herkunft und Zugroute ab. Westzieher fliegen über Frankreich und Spanien; viele bleiben auf der Iberischen Halbinsel, andere ziehen über Gibraltar nach Marokko und weiter nach Westafrika. Ostzieher gelangen über den Balkan, den Bosporus und den Nahen Osten nach Ostafrika, manche bis in den Süden Afrikas. Ein wachsender Teil bleibt inzwischen in Mitteleuropa oder sogar in Deutschland.

02Warum fliegen nicht mehr so viele nach Afrika?

Vor allem die westziehenden Weißstörche finden heute schon in Spanien und Portugal ausreichend Nahrung, etwa in Reisfeldern, Feuchtgebieten und leider auch auf offenen Deponien. Mildere Winter erleichtern das Bleiben. Der kürzere Zug spart Energie, vermeidet viele Gefahren und kann die Überlebenschance erhöhen – deshalb endet die Reise häufiger bereits auf der Iberischen Halbinsel.

03Wie viele überleben den Flug in den Süden?

Eine feste Prozentzahl gibt es nicht: Alter, Route, Wetter, Nahrungsangebot und Gefahren unterscheiden sich stark. Besonders riskant ist der erste Herbstzug. Untersuchungen an besenderten Jungstörchen zeigen, dass das erste Lebensjahr oft nur etwa ein Drittel bis rund die Hälfte überlebt; ein erheblicher Teil der Verluste geschieht während des Zuges und im ersten Winter. Erwachsene, erfahrene Störche haben deutlich bessere Chancen.

04Wie weit kann ein Storch pro Tag fliegen?

An einem normalen Zugtag schafft ein Weißstorch häufig etwa 150 bis 300 Kilometer. Satellitendaten ergaben für Störche in Europa im Mittel rund 218 Kilometer pro Zugtag. Bei sehr guter Thermik können es ausnahmsweise sogar 500 Kilometer sein. Bei Regen, Gegenwind oder fehlender Thermik legt ein Storch dagegen nur eine kurze Strecke zurück oder macht einen Rasttag.

05Wie lange braucht ein Storch aus Nördlingen nach Marokko?

Das lässt sich nicht auf den Tag genau vorhersagen. Auf der westlichen Zugroute über Frankreich, Spanien und die Straße von Gibraltar sind es bis in den Norden Marokkos grob 2.000 Kilometer. Bei günstiger Thermik kann ein Storch diese Strecke in ungefähr 10 bis 14 reinen Zugtagen bewältigen. Mit Ruhepausen, Nahrungssuche und Schlechtwettertagen dauert die Reise meist eher zwei bis drei Wochen – bei ungünstigen Bedingungen auch länger.

06Es gibt Winterstörche in Deutschland. Ist es bei hohen Minustemperaturen nicht zu kalt hier?

Kälte allein ist für einen gesunden Weißstorch meist kein großes Problem. Sein großes Körpervolumen und das dichte Gefieder halten Wärme gut fest. Schwieriger wird es, wenn Schnee und Eis über längere Zeit den Zugang zu Nahrung versperren. Solange offene Wiesen, Gewässer oder andere geeignete Nahrungsflächen erreichbar sind, können viele Störche auch kräftigen Frost überstehen.

06

Körper, Verhalten & Geschichten

Was man am Storch entdecken kann

01Warum bauen Störche ihre Nester häufig in Kolonien mitten in Städten?

Nicht alle Weißstörche brüten in Kolonien, doch örtlich entstehen große, lockere Ansammlungen. In Städten und Dörfern finden sie viele hohe, frei anfliegbare Dächer, Kamine, Masten und Bäume – und Menschen, die ihre Nester dulden oder Nisthilfen anbieten. Liegen zugleich ergiebige Wiesen und Feuchtflächen in der Nähe, ziehen erfolgreiche Nestplätze weitere Störche an. So können über Jahre ganze Storchenkolonien wachsen.

02Woher kommt das Märchen, dass Störche die Babys bringen?

Die genaue Herkunft lässt sich nicht auf eine einzige Geschichte zurückführen. Im alten Volksglauben galten Wasser und Quellen als Orte ungeborenen Lebens; der Storch suchte dort Nahrung und wurde zugleich als Frühlings-, Glücks- und Fruchtbarkeitssymbol verehrt. Weil er sichtbar auf Hausdächern nistete, passte er gut als märchenhafter Kinderbringer. Später half die Erzählung Erwachsenen außerdem, Kinderfragen nach der Geburt auszuweichen.

03Welches sind die wichtigsten Federn?

Für den Flug sind besonders die großen schwarzen Handschwingen und Armschwingen wichtig: Sie erzeugen Auftrieb und Vortrieb. Die Steuerfedern am Schwanz helfen beim Lenken und Bremsen. Ebenso unverzichtbar sind aber die Deckfedern und feinen Daunen, denn sie schützen vor Nässe, Hitze und Kälte. Ein Storch braucht deshalb sein gesamtes, gut gepflegtes Federkleid.

04Wie alt können Störche werden?

Viele Jungstörche überleben die ersten gefährlichen Jahre nicht. Hat ein Weißstorch diese Zeit geschafft, kann er in freier Natur 20 Jahre und älter werden. Durch Beringung sind einzelne außergewöhnliche Tiere mit mehr als 30 Jahren bekannt; der europäische Rekord liegt bei ungefähr 39 Jahren. Solche hohen Alter sind allerdings selten.

05Wie heißt das Gelenk in der Mitte der Stelzen? Man könnte ‚Knie‘ meinen …

Das auffällige, nach hinten wirkende Gelenk ist nicht das Knie, sondern das Intertarsalgelenk – vereinfacht gesagt das Sprung- oder Fußgelenk. Das echte Knie beugt sich wie bei uns nach vorn, liegt jedoch viel höher und ist unter dem Gefieder verborgen. Störche laufen außerdem auf den Zehen; ein großer Teil der scheinbaren Stelze gehört anatomisch zum Fuß.

06Haben Störche tierische Feinde?

Gesunde erwachsene Weißstörche haben wegen ihrer Größe nur wenige natürliche Feinde. Seeadler können gelegentlich einen Storch erbeuten; geschwächte oder am Boden sitzende Tiere können auch Füchsen und anderen Beutegreifern zum Opfer fallen. Eier und kleine Küken sind unter anderem durch Rabenvögel, Marder oder große Greifvögel gefährdet. Insgesamt sind menschengemachte Gefahren jedoch wesentlich bedeutsamer.

07Warum werfen die Eltern manchmal ihre Jungen aus dem Nest?

Bei anhaltendem Futtermangel können Eltern ihre Brut verkleinern, damit wenigstens die kräftigeren Jungen überleben. Das geschieht besonders nach langer Trockenheit oder nasskaltem Dauerregen, wenn kaum Nahrung ins Nest gelangt. Auch tote oder sehr kranke Küken werden entfernt. Für uns wirkt das hart, biologisch ist es eine natürliche Reaktion auf eine Notlage.

08Gibt es Länder, in denen Störche gegessen werden?

Ja, auf manchen Zugwegen werden Weißstörche illegal geschossen und vereinzelt auch gegessen – besonders aus einzelnen Regionen Afrikas und des östlichen Mittelmeerraums wird davon berichtet. Das darf nicht pauschal ganzen Ländern oder Bevölkerungen zugeschrieben werden. In Deutschland und der Europäischen Union sind Fang, Tötung und Handel streng verboten.

07

Schutz, Bestände & Hilfe

Verantwortung für eine geschützte Art

01Seit wann steht der Storch unter besonderem Schutz – und warum wurde das eingeführt?

Ein entscheidender europaweiter Schutz besteht seit der ersten EG-Vogelschutzrichtlinie von 1979; heute gilt die Richtlinie 2009/147/EG. In Deutschland setzt vor allem das Bundesnaturschutzgesetz diesen Schutz um. Der Weißstorch steht zusätzlich in Anhang I der Vogelschutzrichtlinie. Eingeführt wurde der Schutz, nachdem Bestände durch Entwässerung, Grünlandverlust, intensive Landwirtschaft, Stromleitungen, Verfolgung und den Verlust geeigneter Nistplätze stark zurückgegangen waren.

02Warum gibt es bei uns viel weniger Schwarzstörche?

Schwarzstörche stellen deutlich speziellere Ansprüche. Sie brauchen große, alte und störungsarme Laub- oder Mischwälder mit geeigneten Horstbäumen sowie saubere Bäche, Teiche, Waldwiesen und Sümpfe zur Nahrungssuche. Solche zusammenhängenden Lebensräume sind viel seltener als die offene Kulturlandschaft rund um Dörfer und Städte, die der Weißstorch nutzt. Außerdem brütet der Schwarzstorch sehr zurückgezogen und nicht in Kolonien.

03Wenn ich einen Storch kurzzeitig selbst füttern muss, was gebe ich ihm?

Bitte einen gefundenen Storch nicht eigenmächtig füttern. Verletzte oder ausgetrocknete Vögel können feste Nahrung manchmal nicht sicher verdauen; auch Wasser darf nicht in den Schnabel gegossen werden. Zuerst Polizei, Storchenbetreuung, Tierarzt oder Auffangstation anrufen und deren Anweisung befolgen. Falls Fachleute eine kurze Notfütterung ausdrücklich empfehlen, nennen sie passendes tierisches Futter und die richtige Menge. Brot, Milch, Wurst, gewürzte Speisen und Küchenreste sind ungeeignet.

04Darf ich ohne Erlaubnis einen Storch anfassen?

Einen gesunden Storch darf man nicht fangen oder anfassen. Verletzte, hilflose oder kranke Wildtiere dürfen nach § 45 Absatz 5 Bundesnaturschutzgesetz zwar zur Pflege aufgenommen werden, müssen aber fachgerecht versorgt und wieder freigelassen beziehungsweise an eine zuständige Stelle abgegeben werden. Bei einem Storch sollte das wegen seines kräftigen Schnabels nur nach Rücksprache und durch erfahrene Helfer geschehen: Fundort sichern, Abstand halten und Polizei oder Storchenbetreuung verständigen.

05Darf ein neues Nest einfach von meinem Kamin abgebaut werden, wenn noch keine Eier darin liegen?

Nein, nicht einfach auf eigene Faust. Storchennester sind als Fortpflanzungsstätten geschützt; bei standorttreuen Arten kann dieser Schutz auch außerhalb der Brut und bei vorübergehender Abwesenheit bestehen. Bei einem ungeeigneten oder gefährlichen Kamin muss sofort die Untere Naturschutzbehörde eingeschaltet werden. Sie entscheidet, ob und wann eine Entfernung, Teilabtragung oder Umsetzung genehmigt wird und ob eine sichere Ersatz-Nisthilfe nötig ist. Je näher die Eiablage rückt, desto dringender ist die Abstimmung.

Erste Fassung · Stand September 2026. Die Antworten geben einen verständlichen Überblick und werden mit weiteren Beobachtungen und Erfahrungen ergänzt.

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